Lernstörungen von Kindern beim lernen
Die Zahl der Kinder mit Lernproblemen scheint ständig zu steigen. Nach Meinungen von pädagogischen
Praktikern und Wissenschaftlern bringen immer weniger Kinder ausgereifte Fähigkeiten bei Schuleintritt
mit. Dies deckt sich mit den Einschätzungen von Ärzten und Förderstellen, die verstärkt Verzögerungen
in der Entwicklung von Bewegung, Wahrnehmungen und Sprache feststellen. Klagen über Aufmerksamkeitsdefizite,
Hyperaktivität, Hörverarbeitungsstörungen häufen sich.
Auch im Umgang der Kinder untereinander ist vermehrt aggressives oder auch egozentrisches Verhalten zu
beobachten. Im Lernbereich der Schule scheinen Lese- und Schreibstörungen sowie Rechenstörungen weiter
zuzunehmen. Ein Teil diese Entwicklung ergibt sich wohl aus dem immer größer werdenden Anteil
ausländischer Kinder in unseren Bildungsstätten. Es ist ganz natürlich, dass die Integration verschiedener
Schüler, unterschiedlichster Nationen sich auf die Leistungsfähigkeit der einzelnen Schüler auswirkt.
Leistungsstarke Schüler können in der Grundstufe weniger gefördert werden, da sich die Lehrkräfte mit
den zum Grossteil leistungsschwachen Schülern befassen müssen. Der Lernstoff wird meist den leistungsschwachen
Schülern angepasst so, dass die leistungsstärkeren Schüler nicht mehr gefordert werden und sich im Unterricht
langweilen. Und sich dann selbst dem Unterrichtsdurchschnitt anpassen.
Die Klagen von verschiedenen Seiten könnten den Eindruck erwecken, dass die Kinder schlechter geworden sind.
Aber wenn ein Kind nicht lernen kann, kann die Lernstörung durchaus auch, wie schon angesprochen von einer anderen
Seite ausgehen. Schüler einer Klasse sind individuell extrem unterschiedlich, was soziale Komponenten, kognitive
Fähigkeiten, motorische und sprachliche Entwicklung, Intelligenz, und vieles andere angeht. Selbst ein sehr
differenziert und sensibel angelegter Unterricht kann da kaum für jedes Kind passen.
Eine bestimmte Lernmethode kann für ein Kind hilfreich, für ein anderes eher hinderlich sein. Zum Beispiel
kommt manchen Kindern der so genannte frontale Unterricht entgegen, in dem eine Lehrkraft mit klaren Anweisungen
für eine ruhige Arbeitsatmosphäre sorgt. Ein anderes Kind lernt besser, wenn es im geöffneten Unterricht über
Inhalte und Tempo selbst entscheiden kann, sich kleine Arbeitspausen genehmigen oder mit einem zweiten Kind
zusammen ein Thema bearbeiten darf.
Es kann auch sein, dass Kind und Lehrer einfach nicht zusammen passen, z.B. was das Temperament angeht, oder
der Schüler benötigt mehr emotionale Zuwendung, als der Erwachsene bieten kann. Ein ruhiges Kind kann sehr
schnell übersehen werden und so in kürzester Zeit den emotionalen und dann auch den inhaltlichen Anschluss
verlieren. Diese Sicht berücksichtigt das Zusammenspiel der Beteiligten. Mit diesem Verständnis werden
Schuldzuweisungen, gegen wen auch immer verhindert. Nach vielfacher Erfahrung helfen Strafen am allerwenigsten
weiter, weder gegenüber dem Kind noch gegenüber den Erwachsenen, Eltern wie Lehrkräfte. Die gesamte Situation
sollte überschaut und überlegt werden, ob es nicht besser wäre das eine oder andere Kind in eine ihm angepasste
Lernförderung einzubinden.
Angesichts einer für das Kind brisanten Lernsituation ungünstige Arbeitsbedingungen von Lehrern, der Schule
und damit ungünstige Lernbedingungen des Kindes nicht übersehen werden. Auch die Wirksamkeit einer weniger
geeigneten Lehrkraft darf hinterfragt werden.
Gleichgültig, ob ein Kind irgendeine Belastung mitbringt oder der Unterricht bzw. die Lehrkraft nicht
ausreichend gut für ein Kind ist. Es wurden Erfahrungen gemacht, dass ganz schnell die weiteren Betroffenen,
wie Eltern, Geschwister, Lehrkräfte, in alltägliche Konflikte geraten, selbst überfordert werden und
vielfältige Enttäuschungen verkraften müssen. Auch die Freunde des Kindes werden unsicher, ob sie denn
mit so einem Kind zu tun haben dürfen, dass sich im Unterricht nicht in die Gruppe integrieren kann.
Daher ist es wichtig, immer neben dem Kind auch alle anderen Beteiligten mit einzubeziehen.
Autor: Jens Neumann
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